Atelier Pracher, Würzburg
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Die Konservierung und Restaurierung der Apsis in der ehemaligen Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Johannes Evangelist, genannt Neumünster in Würzburg

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Zwischen Januar 2007 und März 2009 konservierte das Atelier Pracher die Stuckmarmorarchitektur der Apsis sowie die dortigen Fresken und den aufwendig gestaltete Chorbogen.

Die prächtige Überformung der romanischen Apsis durch die Stuckmarmorarchitektur des Hochaltares wurde bei der Barockisierung der Neumünsterkirche durch den Wessobrunner Stuckator und Architekten Dominikus Zimmermann (1685 – 1766) um 1721/22 ausgeführt. Die von Zimmermann geschaffenen Altäre, Ausstattungen und Stuckaturen in Profan- sowie Kirchenbauten kennzeichnen ihn als einen der qualitätvollsten und vielseitigsten spätbarocken Künstler in Süddeutschland.

Die barocke Gestaltung der romanischen Apsis vollzog Dominikus zusammen mit seinem Bruder Johann Baptist, der das Deckengemälde der Apsiskalotte mit der Darstellung der Verehrung des apokalyptischen Lammes sowie das Hochaltarblatt (ein Leinwandgemälde von 1724) mit der Darstellung des Johannes auf Patmos schuf. Dominikus Zimmermann selbst fertigte mit seinen Mitarbeitern den Hochaltar aus Stuckmarmor, der die gesamte Apsis auskleidet.

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Sakramentsaltar AKR Pracher 2009

Das nach der Befunduntersuchung im Jahre 2007 vom Bau- und Kunstreferat der Diözese Würzburg, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Atelier Pracher entwickelte Konzept der Konservierung gliederte sich in zwei Hauptbereiche. Einerseits sollte neben einer reinen konservatorischen Bearbeitung aller Bestandteile der Apsisausstattung das Gesamterscheinungsbild ästhetisch verbessert werden. Andererseits sollten jedoch die Spuren der Zerstörung von 1945 und deren frühe Restaurierungsversuche als immanentes Zeugnis der Geschichte des Neumünsters  erhalten und weiterhin ablesbar bleiben.

Durch die stark variierenden Erhaltungszustände der einzelnen Stuckmarmorflächen bei gleicher Verschmutzung zeigte sich eine sukzessiv durchgeführte Oberflächenreinigung als fachgerechte Konservierungsmaßnahme zur Erstellung eines ausgewogenen Erscheinungsbildes. In umfangreichen Materialtests stellte sich die Verwendung von Neutralkompressen als Möglichkeit heraus, verbräunte, unterschiedlich aufgetragene Überzüge sowie Schmutz- und Rußschichten selektiv von der Stuckmarmoroberfläche ohne abrasive Bearbeitung zu trennen und abzunehmen. Neuzeitliche Fehlstellen, besonders an der Sockelzone, wurden bewusst nicht durch neuangefertigten Stuckmarmor ergänzt, da dies durch Schleif- und Poliervorgänge im Grenzbereich am empfindlichen Stuckmarmor  unwiederbringliche Schäden hervorgerufen hätte. Hier wurde aus konservatorischen Überlegungen entschieden, diese Bereiche mit einer Gipsmasse auszukitten und in einer Punktretusche mit bindemittelreduzierten Tubenölfarben der umliegenden originalen Oberfläche anzugleichen. Sämtliche Kittungen der Nachkriegsrenovierung wurden, wenn konservatorisch vertretbar, als Primärzeugnis belassen. Nach Fertigstellung der Oberflächenkonservierung wurde ein dünnschichtiger Schutzüberzug aus Hartwachs auf die Stuckmarmorflächen aufgetragen, welcher einen verhaltenen Oberflächenglanz ergab.

 

Die entdeckte, ursprüngliche Führung des Lichtes durch Reflektoren innerhalb des Konstruktionsaufbaus, welches die Nische hinter der Madonnenskulptur im Auszug indirekt beleuchtete, wurde als ausschlaggebendes gestalterisches Mittel und als Bestandteil der hochwertigen barocken Gestaltung der Apsis im Sinne des „theatrum sacrum“ durch Dominikus Zimmermann erkannt. Die für die barocke Gestaltung des Chores ausschlaggebende Lichtführung ist anhand der vorhandenen Fragmente rekonstruiert worden. Die Flächen des Konstruktionsschachts sowie die der oberen Nische wurden mit einer Metallfolie ausgekleidet. Die dafür angefertigte Messingfolie erhielt einen Korrosionsschutz und konnte in ca. 25 cm2 großen Rechtecken mit über 700 Linsenkopfnägeln aus Messing auf die Putzschicht des Lichtschachtes aufgenagelt werden. Dabei wurde die Technik der Überlappung in Randbereichen der Messingfolienstücke und die Nageldichte der Originalauskleidung übernommen. Durch den inhomogenen Putzträger der Metallkaschierung sowie durch die vielzählige Fixierung der Nägel zeigt sich ein Oberflächenrelief, das eine diffuse Reflektion des Sonnenlichtes begünstigt.

Der sich somit einstellende Illuminationseffekt der Madonnenskulptur und der mehrschichtigen Wolkenkranzgloriole zeigt eine erstaunliche Hervorhebung und Neugewichtung der Darstellung im Gesamtgefüge der Apsis. Das reflektierte Sonnenlicht akzentuiert durch ein intensives, warmes, goldgelbes Licht den gesamten Auszug gegenüber der weniger beleuchteten, dunkler erscheinenden Stuckmarmorarchitektur und der Fläche der Deckenmalerei.

Die nun wieder ganzheitlich erfahrbare, 2008 wiederentdeckte, faszinierende Wirkung dieser barocken Umformung wurde bereits 1738 durch Ignatius Gropp mit folgenden Worten beschrieben: „In der Mitten glanzet das mit der Sonnen bekleidete Weib, Maria die HimmelsKönigin. Diese in einer durchbrochenen Glorie stehende Bildnus empfanget von den Rückwerts einfallenden Tag-Licht ein helles glantz Gold-färbiges Licht, gleich einer immer darob, doch etwas verborgen stehenden Sonne, welches den Augen sehr angenehm zu sehen“.

aus: Ignatius Gropp: Lebensbeschreibung deren Heiligen Kiliani Bischoffens und dessen Gesellen Colonati Priesters, Totnani Diacons, Martyreren und ersten Aposteln des Frankenlandes, nebst gründlicher Nachricht von dem alten Domb- und nachmahlen Collegiat-Stifft zum Neuen-Münster, derselben Grabstatt. Würzburg 1738, S. 98.

 

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