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Von der äußeren Erscheinung zu urteilen, zeigt jetzt der Konventbau in Oberzell an seinen Außenfassaden den kräftigen gelben Farbton den die Würzburger Residenz im 18. Jh. als Erstfassung ehemals auch hatte, aber heute nicht mehr besitzt.
Durchschreitet man nun das Portal des Mittelrisalites der Westfassade des Konventbaues in Oberzell, so erblickt man einen fast quadratischen Raum mit einer doppelläufigen Treppe, die zu einer dem Eingangsportal axial zugeordneten Empore, mit dreibogigen Arkaden als Rückwand, hinaufführt. Die beiden Treppenläufe werden von Balustern mit Handläufen und Absätzen für Skulpturen und Beleuchtungen begrenzt, wie sie auch in der Residenz in Würzburg zur gleichen Zeit entstanden sind.
So kann man sich des Eindruckes nicht verwehren in der baulichen Situation der Treppen zur Empore und diese im umbauten Raum, zusammen mit dem Deckengemälde, eine Verwandtschaft mit dem Treppenhaus der Würzburg Residenz festzustellen, wenn auch nur eine periphere.
Während im Treppenhaus in Oberzell der genial freigestaltete Stuck von Antonio Bossi (gest. 1765) stammt, er war seit 1734 Hofstuckateur in der Residenz Würzburg u. hat dort in der Hofkirche im Weißen Saal und im Kaisersaal den Stuck und die Skulpturen gestaltet, ist die Stuckdekoration des Treppenhauses der Residenz Würzburg erst im letzten Drittel des 18. Jh. entstanden.
Antonio Bossi hat nun im Treppenhaus des Klosters Oberzell in die 4 Ecknischen in der Höhe der Empore, die 4 Kardialtugenden als überlebensgroße, weibliche Stuckskulpturen platziert. Es sind dies in der Nord – Ostecke die „Erkenntnis“ mit dem Spiegel in der Hand, in der Nord – Westecke die „Gerechtigkeit“ mit der Waage, in der Süd – Westecke die „Mäßigkeit“ mit einem kl. Schälchen u. einem Krug und in der Süd – Ostecke die „Tapferkeit“ mit der Keule.
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