Atelier Pracher, Würzburg
Präambel des AKR Pracher
Die Restauratoren
Leistungsspektrum
Referenz
Publikationen
Presse
Kontakt
Anfahrt

AKTUELL

fine_arts_wuerzburg k02

ARCHIV

Banner2_copy04

Die Konservierung und Restaurierung des großen Kuppelfreskos in der ehemaligen Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Johannes Evangelist, genannt Neumünster in Würzburg

Kuppelfresko in der ehemaligen Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Johannes Evangelist,,AKR Pracher

Nach dem Durchschreiten des Westportals und der Vorhalle öffnet sich dem Betrachter der Kirchenraum des Neumünsters mit dem imposanten Kuppelbau. Der hohe, oktogonale Raum mit zwei Kapellen im Osten sowie zwei Treppenabgängen zur Kiliansgruft im Westen wird durch Pilaster und mehrfach gekröpfte Gesimse gegliedert. Sein zweigeschossiger Aufbau mit einer Fensterreihe im Tambour endet in der doppelschaligen Kuppel, welche durch eine große Laternenkonstruktion bekrönt ist. Diese spätbarocke Umgestaltung im Westteil der romanischen Vorgängerkirche wurde durch den Architekten Josef Greising in der Zeit von 1712 – 1716 durchgeführt.

Das von Nikolaus Gottfried Stuber 1736 fertiggestellte und signierte Großgemälde in Neumünster zeigt die Verehrung der Hl. Dreifaltigkeit durch Heilige und Engel, die durch eine geschickte Anordnung auf der Gesamtfläche der Fresco/Secco-Malerei von ca. 550 Quadratmetern verteilt sind. Ein sich verjüngendes Wolkenband zieht sich durch die dargestellten Heiligengruppen und Engel und verbindet diese miteinander. Nikolaus Gottfried Stuber (1688 – 1749) war als Hofmaler in München tätig und zur Ausführung des Kuppelgemäldes berufen worden. Neben den Malern Cosmas Damian Asam und Christoph Thomas Scheffler zählt er zu den bedeutendsten Großfreskanten der Barockzeit in Bayern.

Schäden an der Malerei Die intensiven Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten der Kriegsschäden prägen heute das Erscheinungsbild des Kuppelgemäldes. Die erhebliche Beschädigung der Schieferdach- und Dachstuhlkonstruktion an der West- und Südwestseite durch die Bombardierung Würzburgs am 19. Februar 1945 stellte den Beginn der fast vollständigen Zerstörung des Kuppelgemäldes dar. Das Ausbrennen des Westteils der Kirche sowie die Vernichtung des gesamten Dachstuhls auf Grund der großen Bombardierung am 16. März 1945 hinterließen weitere Beschädigungen an den empfindlichen Putz- und Malschichten. Starke bis stärkste Ablösungen der Putze mit großflächigen Totalverlusten der Malerei, besonders der Westseite, ließen 1950 eine flächige Nachmalung und Ergänzung des Gesamtgemäldes notwendig erscheinen. Diese malerische Restaurierung führte, wie bei den gesamten Deckenmalereien der Kirche, Prof. Oskar Martin-Amorbach bis 1952 aus. Dieser ergänzte nach einer problematischen Festigung der Malereireste die Fehlstellen im Putz und übermalte fragmentarisch erhaltene Bereiche des Gemäldes von Nikolaus Gottfried Stuber. Ebenso ergänzte er an Hand von Vorkriegsabbildungen verlorengegangene Partien der Malerei mit angefertigten Pausen oder führte diese in freier Malerei aus. Innerhalb dieser Bearbeitung wurden ebenfalls kompositorische Veränderungen ausgeführt. So sind die unteren Zwickelflächen des Kuppelgemäldes mit einer gemalten Scheinarchitektur in braunem Farbton versehen worden. Das von Nikolaus Gottfried Stuber dort gemalte Brokatmuster mit umlaufenden Rocaillenband wurde dabei abgeschlagen oder übermalt.

Die Konservierung und Restaurierung Die Konservierung und Restaurierung des großformatigen Kuppelgemäldes wurde durch eine Arbeitsgemeinschaft von  Firma Schultz, Bütthard und dem Atelier für Konservierung und Restaurierung Pracher, Würzburg in den Jahren 2007 und 2008 durchgeführt.

Angefertigte verzerrungsfreie Abbildungen der Malereiflächen im Vorzustand stellten die Grundlage für eine Musterkartierung und die folgende Dokumentation der Maßnahmen dar. Aufgrund der schwach gebundenen Malschicht war eine Vorfestigung der gesamten 550 Quadratmeter Malereifläche notwendig, bevor eine Schmutz- und Rußreinigung durchgeführt werden konnte. Die Sicherung der kleinteiligen Hohlstellen der Putzschichten zeigte sich als zeitintensivste Konservierungsmaßnahme.  Diese hundertfach vorhandenen Schadstellen wurden durch Perkussion festgestellt und in einer graphischen Dokumentation festgehalten. Um einen drohenden Totalverlust der Malerei zu verhindern, mussten diese Hohlräume durch eine Füllmasse gesichert werden. Dabei ist in bestehende Schadstellen der Oberfläche ein niedrig viskoser Mörtel auf Kalkbasis mit Injektionsbesteck eingebracht worden. Ebenso wie die Position und das Flächenausmaß der jeweiligen Hohlstelle wurde die Menge des injizierten Mörtels dokumentiert, um eine konservatorische Langzeitbetrachtung des Materialverhaltens zu ermöglichen. Kleinteilige Fehlstellen der Putzschicht sowie Brüche ab ca. 2 mm Breite wurden mit einem Kalkkitt verschlossen.

Die Retusche, also das Angleichen von Verfärbungen und Neukittungen an die Farbigkeit der originalen Umgebung, wurde in drei unterschiedlichen Techniken durchgeführt. Besonders die in den Wolkenzonen sich befindlichen großen Verfärbungen konnten durch mit einem Pinsel aufgestaubten, ungebundenen Pigmenten eingefärbt werden. Kleinteilige Schadstellen, z. B. in den Gesichtern der Heiligen, wurden mit einer Punktretusche bearbeitet. Dabei wurden verschiedene Farbmischungen aus Pigmenten in einem schwachgebundenen Bindemittelsystem in Punktform nebeneinander aufgetragen. Dies ermöglichte ein detailliertes Bearbeiten der Fehlstelle ohne dass unbeschädigte Oberflächen übermalt wurden. Die gewünschte Integration des Schadbereichs stellt sich bei dieser Retuschetechnik erst auf Weitsicht ein. In vergleichbarer Art und Weise konnten in der sogenannten Tratteggio-Technik. Fehlstellen, z. B. bei Mantel- und Inkarnatsflächen der dargestellten Heiligen, retuschiert werden. Gleichförmige Strichformationen in unterschiedlicher Farbigkeit werden bei dieser Technik nebeneinander auf die verfärbte Oberfläche aufgetragen. Dies ermöglicht die Imitation einer verlorengegangenen Formgebung der Originalmalerei bei gleichzeitiger Reduzierung des aufgetragenen Farbmaterials.

Durch die Konservierung ist die Malschicht gesichert und besonders bei den im Vorzustand vorhandenen Schichtentrennungen innerhalb des Putzgefüges eine Schadensdynamik gestoppt worden. Natürlich dominiert die umfangreiche restauratorische Bearbeitung der Kuppelmalerei durch Prof. Martin-Amorbach das Detail der Darstellung. Dieser legte jedoch höchste Aufmerksamkeit und Sensibilität in die Nachahmung der barocken Formensprache. So ist heute, trotz der Ergänzungen und großflächigen Nachmalung der Zeit des Wiederaufbaus, eine barocke Raumwirkung zu erkennen, welche die künstlerische Intention des Baumeisters Josef Greissing und des Malers Nikolaus Gottfried Stuber wiederspiegelt.

Kuppelfresko in der ehemaligen Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Johannes Evangelist, AKR Pracher
zuruckIcon10

.